„Haar in der Suppe“: Die Teilnehmer reflektieren ihr Kritikverhalten

16. March 2018 | Seminarmethoden

Die Methode „Haar in der Suppe“ bietet sich zumeist spontan und immer dann an, wenn sich die Teilnehmer (mehrheitlich) auf die Schwierigkeiten, Hemmnisse und Nachteile beispielsweise einer Idee, eines Vorhabens oder Projekts konzentrieren, anstatt die Chancen, Vorzüge und Vorteile in den Vordergrund zu stellen. Bei dieser sehr kurzen Seminarsequenz zeigt der Referent seinen Teilnehmern auf einer Folie oder dem Flipchart vier einfache Gleichungen auf Basis der Grundrechenarten, von denen eine falsch ist; dann fragt er sie, was ihnen auffällt – und die Kommentare der Teilnehmer folgen sehr häufig einem bemerkenswerten Muster.

 

Dauer
3 Minuten

 

Vorbereitung
Schauen Sie vor dem Seminar Ihren Ablaufplan („Drehbuch“) durch, um zu prüfen, ob – und wenn ja: an welcher konkreten Stelle im Seminarverlauf – die Methode „Haar in der Suppe“ möglicherweise sinnvoll sein könnte.

 

Wenn Sie in Ihrem Seminar mit Folien arbeiten, empfiehlt es sich, für diese Übung eine zusätzliche Folie anzulegen: Schreiben Sie auf diese Zusatzfolie vier einfache Gleichungen auf Basis der Grundrechenarten, von denen die ersten drei Gleichungen richtig sind und die letzte falsch. Da auf dieser Folie viel freier Platz bleibt, sollten Sie sie durch eine geeignete Illustration aufhübschen (vgl. die nachfolgende, exemplarische Abbildung). Um die Pointe dieser Methode nicht vorwegzunehmen, darf der Titel dieser Zusatzfolie aber keinesfalls „Haar in der Suppe“ lauten.
 

Die Folie bzw. das Flipchart mit den vier Gleichungen darf nicht den Titel 'Haar in der Suppe' haben (Quelle: EnergieAgentur.NRW).


Wenn Sie in Ihrem Seminar keine Folien zeigen, sollten Sie sich vor der Veranstaltung vier Gleichungen notieren, die Sie dann während des Seminars bei Bedarf an das Flipchart schreiben können. So vermeiden Sie, sich im Bedarfsfall spontan drei richtige und eine falsche Gleichung ausdenken zu müssen.

 

Erläuterung und Durchführung
Wenn bei der Diskussion einer Idee oder eines Vorhabens die Bedenkenträger und Pessimisten die Oberhand zu gewinnen scheinen und Sie auf charmante Art und Weise das Kritikverhalten dieser Teilnehmer thematisieren möchten, ist es Zeit für die Methode „Haar in der Suppe“: Sagen Sie „Lassen Sie mich Ihnen mal etwas zeigen“, und wechseln Sie dann zu der vorbereiteten Folie mit den vier Gleichungen, oder schreiben Sie die vier Gleichungen, die Sie sich im Vorfeld überlegt haben, an das Flipchart. Fragen Sie Ihre Teilnehmer dann schlicht: „Was fällt Ihnen auf?“

 

Da die Teilnehmer nun zu rechnen beginnen, ist es zunächst für ein paar Sekunden still. Erfahrungsgemäß dauert es jedoch nicht lange, bis sich die ersten von ihnen zu Wort melden. Manchmal fällt einzelnen Teilnehmern zuerst auf, dass alle vier Grundrechenarten berücksichtigt wurden; extrem selten bis nahezu niemals sagt jemand zuallererst „Drei Gleichungen sind richtig“. (In diesen Fällen fragen Sie einfach noch einmal: „Was fällt Ihnen noch auf?“) Meistens lautet der erste und am häufigsten oder ausschließlich geäußerte Kommentar: „Eine Gleichung ist falsch!“
 

Sehen die Teilnehmer drei richtige und eine falsche Gleichung, lautet der erste und am häufigsten oder gar ausschließlich geäußerte Kommentar meistens: 'Eine Gleichung ist falsch!' (Bild: panthermedia.net/Diane Frisch)


Wenn die Teilnehmer ihre spontanen Kommentare zu den vier Gleichungen abgegeben haben, sagen Sie: „Mir fällt auf, dass drei Gleichungen richtig sind.“

 

Dann setzen Sie eine Gesprächsrunde in Gang, um das unterschiedliche Kritikverhalten der Teilnehmer zu thematisieren. Achten Sie aber bei dieser „Kritik der Kritik“ darauf, dass Sie und die anderen Teilnehmer den „Meckerern“ und Bedenkenträgern mit Respekt und Wertschätzung begegnen und sie nicht diskreditieren, nur weil sie eine andere Sicht der Dinge haben: Auch eine „Kritik der Kritik“ darf nicht überziehen. Wenn Sie diesen Punkt beherzigen, entwickelt sich nicht selten ein sachlicher und wohlwollender Austausch über die Vor- und Nachteile beider Sichtweisen: die der „Optimisten“ und die der „Pessimisten“. Und in solch einem Fall haben Sie eine Menge erreicht, denn Bildung vollzieht sich immer in der Auseinandersetzung mit dem je Anderen.

 

Nutzen
Auf den Philosophen Ernst Bloch geht der Satz zurück, dass wir ins Gelingen verliebt sein müssen, nicht ins Scheitern. Insofern zeichnet sich die Methode „Haar in der Suppe“ dadurch aus, dass der Referent den „Meckerern“ unter den Teilnehmern einen unaufdringlichen (!) Spiegel vorhält: Wenn sie sich bei der Diskussion einer neuen Idee oder eines neuen Vorhabens weniger auf die Chancen und Vorteile als vielmehr auf die potenziellen bzw. antizipierten Schwierigkeiten, Hemmnisse und Nachteile konzentrieren, vermag diese Methode ein sachliches Gespräch über das individuelle Kritikverhalten in Gang zu setzen.

 

Natürlich kann diese dreiminütige Seminarsequenz nicht die Persönlichkeit eines Teilnehmers verändern und aus einem Pessimisten einen Optimisten oder aus einem Bedenkenträger einen glühenden Befürworter machen. Dennoch regt diese Übung die Teilnehmer dazu an, ihre eigene Sicht der Dinge zu reflektieren und sich mit anderen Sichtweisen auseinanderzusetzen.


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Autor: Tom Küster



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      Dauer
      3 Minuten

       

      Vorbereitung
      Schauen Sie vor dem Seminar Ihren Ablaufplan („Drehbuch“) durch, um zu prüfen, ob – und wenn ja: an welcher konkreten Stelle im Seminarverlauf – die Methode „Haar in der Suppe“ möglicherweise sinnvoll sein könnte.

       

      Wenn Sie in Ihrem Seminar mit Folien arbeiten, empfiehlt es sich, für diese Übung eine zusätzliche Folie anzulegen: Schreiben Sie auf diese Zusatzfolie vier einfache Gleichungen auf Basis der Grundrechenarten, von denen die ersten drei Gleichungen richtig sind und die letzte falsch. Da auf dieser Folie viel freier Platz bleibt, sollten Sie sie durch eine geeignete Illustration aufhübschen (vgl. die nachfolgende, exemplarische Abbildung). Um die Pointe dieser Methode nicht vorwegzunehmen, darf der Titel dieser Zusatzfolie aber keinesfalls „Haar in der Suppe“ lauten.
       

      Die Folie bzw. das Flipchart mit den vier Gleichungen darf nicht den Titel 'Haar in der Suppe' haben (Quelle: EnergieAgentur.NRW).


      Wenn Sie in Ihrem Seminar keine Folien zeigen, sollten Sie sich vor der Veranstaltung vier Gleichungen notieren, die Sie dann während des Seminars bei Bedarf an das Flipchart schreiben können. So vermeiden Sie, sich im Bedarfsfall spontan drei richtige und eine falsche Gleichung ausdenken zu müssen.

       

      Erläuterung und Durchführung
      Wenn bei der Diskussion einer Idee oder eines Vorhabens die Bedenkenträger und Pessimisten die Oberhand zu gewinnen scheinen und Sie auf charmante Art und Weise das Kritikverhalten dieser Teilnehmer thematisieren möchten, ist es Zeit für die Methode „Haar in der Suppe“: Sagen Sie „Lassen Sie mich Ihnen mal etwas zeigen“, und wechseln Sie dann zu der vorbereiteten Folie mit den vier Gleichungen, oder schreiben Sie die vier Gleichungen, die Sie sich im Vorfeld überlegt haben, an das Flipchart. Fragen Sie Ihre Teilnehmer dann schlicht: „Was fällt Ihnen auf?“

       

      Da die Teilnehmer nun zu rechnen beginnen, ist es zunächst für ein paar Sekunden still. Erfahrungsgemäß dauert es jedoch nicht lange, bis sich die ersten von ihnen zu Wort melden. Manchmal fällt einzelnen Teilnehmern zuerst auf, dass alle vier Grundrechenarten berücksichtigt wurden; extrem selten bis nahezu niemals sagt jemand zuallererst „Drei Gleichungen sind richtig“. (In diesen Fällen fragen Sie einfach noch einmal: „Was fällt Ihnen noch auf?“) Meistens lautet der erste und am häufigsten oder ausschließlich geäußerte Kommentar: „Eine Gleichung ist falsch!“
       

      Sehen die Teilnehmer drei richtige und eine falsche Gleichung, lautet der erste und am häufigsten oder gar ausschließlich geäußerte Kommentar meistens: 'Eine Gleichung ist falsch!' (Bild: panthermedia.net/Diane Frisch)


      Wenn die Teilnehmer ihre spontanen Kommentare zu den vier Gleichungen abgegeben haben, sagen Sie: „Mir fällt auf, dass drei Gleichungen richtig sind.“

       

      Dann setzen Sie eine Gesprächsrunde in Gang, um das unterschiedliche Kritikverhalten der Teilnehmer zu thematisieren. Achten Sie aber bei dieser „Kritik der Kritik“ darauf, dass Sie und die anderen Teilnehmer den „Meckerern“ und Bedenkenträgern mit Respekt und Wertschätzung begegnen und sie nicht diskreditieren, nur weil sie eine andere Sicht der Dinge haben: Auch eine „Kritik der Kritik“ darf nicht überziehen. Wenn Sie diesen Punkt beherzigen, entwickelt sich nicht selten ein sachlicher und wohlwollender Austausch über die Vor- und Nachteile beider Sichtweisen: die der „Optimisten“ und die der „Pessimisten“. Und in solch einem Fall haben Sie eine Menge erreicht, denn Bildung vollzieht sich immer in der Auseinandersetzung mit dem je Anderen.

       

      Nutzen
      Auf den Philosophen Ernst Bloch geht der Satz zurück, dass wir ins Gelingen verliebt sein müssen, nicht ins Scheitern. Insofern zeichnet sich die Methode „Haar in der Suppe“ dadurch aus, dass der Referent den „Meckerern“ unter den Teilnehmern einen unaufdringlichen (!) Spiegel vorhält: Wenn sie sich bei der Diskussion einer neuen Idee oder eines neuen Vorhabens weniger auf die Chancen und Vorteile als vielmehr auf die potenziellen bzw. antizipierten Schwierigkeiten, Hemmnisse und Nachteile konzentrieren, vermag diese Methode ein sachliches Gespräch über das individuelle Kritikverhalten in Gang zu setzen.

       

      Natürlich kann diese dreiminütige Seminarsequenz nicht die Persönlichkeit eines Teilnehmers verändern und aus einem Pessimisten einen Optimisten oder aus einem Bedenkenträger einen glühenden Befürworter machen. Dennoch regt diese Übung die Teilnehmer dazu an, ihre eigene Sicht der Dinge zu reflektieren und sich mit anderen Sichtweisen auseinanderzusetzen.

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