„Nudging“: Impulse für nachhaltigen Konsum

02. November 2017 | Studien

Beim Umzug eine Probekarte ansässiger Verkehrsbetriebe erhalten oder beim Duschen auf dem Display beobachten, wie dem Eisbär die Scholle unter den Tatzen wegschrumpft – zwei Beispiele einer aktuellen UBA-Studie für Impulse zu nachhaltigem Konsumverhalten. Das der Studie zugrundeliegende Prinzip des Nudging („Anstupsen“) wird bereits seit einigen Jahren viel und kontrovers diskutiert.

 

Neben der Verbrauchsanzeige für die Dusche und der Förderung der ÖPNV-Nutzung mit Probekarten wurden in der Studie drei weitere Beispiele für Impulse Richtung zukunftsfähiger Konsumhandlungen ermittelt: Ein unmittelbares Verbrauchsfeedback kann zum Sparen von Heizenergie anregen, in unterschiedlich große Fächer unterteilte Einkaufswagen können ein Gefühl für das gesunde und umweltfreundliche Maß an Fleisch oder Süßigkeiten vermitteln, und eine geeignete Anordnung der Lebensmittelauslage am Buffet etwa in der Kantine kann eine nachhaltigere Essensauswahl fördern.

 

Die UBA-Studie nimmt das Konzept hinter dem kontrovers diskutierten Ansatz des Nudging unter die Lupe und zeigt anhand von Beispielen, ob und wie diese Methodik zur Förderung eines umweltbewussten Konsums beitragen kann. Das beauftragte ConPolicy Institut hat dazu weit über 300 internationale Beiträge gesichtet und 20 Anwendungsbeispiele des Nudging gefunden. Diese wurden schließlich nach Kriterien wie der Übertragbarkeit in deutsches Recht, Umweltrelevanz und Kosten-Nutzen-Analysen auf die fünf oben genannten Beispiele verdichtet.
 

Eine aktuelle Studie des UBA untersucht beispielhafte Impulse für nachhaltiges Konsumverhalten (Bild: Pixabay).


Kritik am Nudging
Kritisiert wird am Nudge-Konzept oft, es sei manipulativ und würde die Schwächen der Menschen ausnutzen – die zum Beispiel in vielen Situationen nicht rational handeln und sich vom Kontext beeinflussen lassen.

 

Nach dem gemeinsam von Nobelpreisträger Richard Thaler und Cass Sunstein entwickelten Ansatz berücksichtigt Nudging grundsätzlich menschliche Verhaltenstendenzen, zum Beispiel um Kommunikation erfolgreicher zu machen. Dies wird auch ohne den Stempel „Nudge“ in der modernen Umweltkommunikation angewendet: Ein Plakat mit viel Text zu überfrachten wird nicht zur Vermittlung einer einfachen Botschaft beitragen, und auch klassische Informationsinstrumente wie die Energieverbrauchskennzeichnung können unter Nudging subsummiert werden. Insofern zeigt die Studie auf, dass die Berücksichtigung von Verhaltenstendenzen in Umweltkommunikation und Umweltpolitik nicht per se neu ist.

 

Wahlfreiheit nicht zwangsläufig beschränkt
Nach den Ergebnissen der Untersuchung liegt die Stärke von Nudges vor allem darin, dass Verhaltensänderungen erreicht werden können, ohne dass die Wahlfreiheit von Verbrauchern beschränkt wird. So ist bei besonders wirksamen Voreinstellungen die ökologische Option – zum Beispiel doppelseitiges Drucken – automatisch gewählt und führt direkt und einfach zu nachhaltigem Konsum, ohne dass andere Optionen ausgeschlossen oder gar gesetzlich verboten sind. Die Regulierungs- und Eingriffstiefe von Nudges ist somit sehr niedrig.

 

Stark diskutiert wird auch die Frage nach der Legitimation: Wer kann festlegen, was die „beste“ Option ist? Im Fall von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen ist die ökologisch beste Option durch die legitimierten Ziele der Bundesregierung etwa zum Stromeinsparen gegeben. Durch Nudges haben Verbraucher in den meisten Fällen auch ökonomische Vorteile, und die Sparaktion ist somit wirtschaftlich ebenfalls vernünftig. Andere Handlungsoptionen bleiben dennoch offen.

 

Nationales Programm zu nachhaltigem Konsum
Bestandteil der 142 Seiten umfassenden Studie, die auf der UBA-Website kostenlos heruntergeladen werden kann, sind auch Umsetzungsszenarien für die einzelnen Maßnahmen. Diese Szenarien sollen im Rahmen des nationalen Programms für nachhaltigen Konsum weiter verfolgt werden.


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Autor: Tom Küster
Quelle: UBA, Dessau-Roßlau



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      Neben der Verbrauchsanzeige für die Dusche und der Förderung der ÖPNV-Nutzung mit Probekarten wurden in der Studie drei weitere Beispiele für Impulse Richtung zukunftsfähiger Konsumhandlungen ermittelt: Ein unmittelbares Verbrauchsfeedback kann zum Sparen von Heizenergie anregen, in unterschiedlich große Fächer unterteilte Einkaufswagen können ein Gefühl für das gesunde und umweltfreundliche Maß an Fleisch oder Süßigkeiten vermitteln, und eine geeignete Anordnung der Lebensmittelauslage am Buffet etwa in der Kantine kann eine nachhaltigere Essensauswahl fördern.

       

      Die UBA-Studie nimmt das Konzept hinter dem kontrovers diskutierten Ansatz des Nudging unter die Lupe und zeigt anhand von Beispielen, ob und wie diese Methodik zur Förderung eines umweltbewussten Konsums beitragen kann. Das beauftragte ConPolicy Institut hat dazu weit über 300 internationale Beiträge gesichtet und 20 Anwendungsbeispiele des Nudging gefunden. Diese wurden schließlich nach Kriterien wie der Übertragbarkeit in deutsches Recht, Umweltrelevanz und Kosten-Nutzen-Analysen auf die fünf oben genannten Beispiele verdichtet.
       

      Eine aktuelle Studie des UBA untersucht beispielhafte Impulse für nachhaltiges Konsumverhalten (Bild: Pixabay).


      Kritik am Nudging
      Kritisiert wird am Nudge-Konzept oft, es sei manipulativ und würde die Schwächen der Menschen ausnutzen – die zum Beispiel in vielen Situationen nicht rational handeln und sich vom Kontext beeinflussen lassen.

       

      Nach dem gemeinsam von Nobelpreisträger Richard Thaler und Cass Sunstein entwickelten Ansatz berücksichtigt Nudging grundsätzlich menschliche Verhaltenstendenzen, zum Beispiel um Kommunikation erfolgreicher zu machen. Dies wird auch ohne den Stempel „Nudge“ in der modernen Umweltkommunikation angewendet: Ein Plakat mit viel Text zu überfrachten wird nicht zur Vermittlung einer einfachen Botschaft beitragen, und auch klassische Informationsinstrumente wie die Energieverbrauchskennzeichnung können unter Nudging subsummiert werden. Insofern zeigt die Studie auf, dass die Berücksichtigung von Verhaltenstendenzen in Umweltkommunikation und Umweltpolitik nicht per se neu ist.

       

      Wahlfreiheit nicht zwangsläufig beschränkt
      Nach den Ergebnissen der Untersuchung liegt die Stärke von Nudges vor allem darin, dass Verhaltensänderungen erreicht werden können, ohne dass die Wahlfreiheit von Verbrauchern beschränkt wird. So ist bei besonders wirksamen Voreinstellungen die ökologische Option – zum Beispiel doppelseitiges Drucken – automatisch gewählt und führt direkt und einfach zu nachhaltigem Konsum, ohne dass andere Optionen ausgeschlossen oder gar gesetzlich verboten sind. Die Regulierungs- und Eingriffstiefe von Nudges ist somit sehr niedrig.

       

      Stark diskutiert wird auch die Frage nach der Legitimation: Wer kann festlegen, was die „beste“ Option ist? Im Fall von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen ist die ökologisch beste Option durch die legitimierten Ziele der Bundesregierung etwa zum Stromeinsparen gegeben. Durch Nudges haben Verbraucher in den meisten Fällen auch ökonomische Vorteile, und die Sparaktion ist somit wirtschaftlich ebenfalls vernünftig. Andere Handlungsoptionen bleiben dennoch offen.

       

      Nationales Programm zu nachhaltigem Konsum
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