Der Planet Erde – ein geeigneter Absender beim Klimaschutz?

14. June 2017 | Psychologie

Die Zielgruppe eines konkreten Klimaschutzanliegens muss wissen, wer sich an sie wendet, wer der Absender einer bestimmten Botschaft ist. Grundsätzlich gibt es mehrere Absenderoptionen, denn die Initiatoren müssen nicht automatisch auch als Absender fungieren. Ein aktuelles Beispiel zeigt jedoch exemplarisch, wie problematisch es ist, den Planeten Erde zum visuellen Absender einer – durchaus wichtigen – Botschaft zum weltweiten Klimaschutz zu machen: Im heutigen XING-Newsletter „Energie & Umwelt“ ist die Meldung „Der Rest der Welt muss beim Klimaschutz mehr zusammenarbeiten“ durch die Teilansicht eines blau-grün gezeichneten Globus‘ illustriert, den ein überdimensionales weinendes Auge ziert.

 

Eigenschaften eines funktionierenden Absenders

Aus kommunikationspsychologischer und -strategischer Sicht empfiehlt es sich für die Initiatoren von Klimaschutzprojekten und -kampagnen, in der Konzeptionsphase die folgende Frage zu beantworten: „Warum, wie, wo und wann sagt wer was zu wem?“ Während etwa das „Warum?“ nach den Gründen und Zielen fragt und das „Was?“ nach den Inhalten, verweist das „Wer?“ auf die Notwendigkeit einer Entscheidung zum Absender des konkreten Klimaschutzanliegens. Denkbare Absender sind beim Klimaschutz unter anderem:

  • der Planet Erde,
  • die künftigen Generationen,
  • die Initiatoren selbst und
  • Werbeträger („Testimonials“).

Als Absender des Klimaschutzanliegens ist der Planet Erde zumeist keine gute Wahl (Bild: Pixabay).


Für die Wahl eines geeigneten Absenders gibt es im Wesentlichen drei hilfreiche Entscheidungskriterien: Ein guter, das heißt bei der spezifischen Zielgruppe funktionierender, Absender ist

  • konkret,
  • glaubwürdig und
  • identifikationsfördernd.

 

Betroffenheit – eine schwache Triebfeder für den Klimaschutz

Weil beispielsweise die künftigen Generationen nicht konkret und auch deshalb wenig identifikationsfördernd sind (es sei denn, sie werden durch einzelne, sorgsam ausgewählte Kinder repräsentiert), empfehlen sie sich als Absender zum Beispiel eines Klimaschutzprojektes nur sehr bedingt.

 

Besonders problematisch ist es jedoch, den Planeten Erde als Absender zu wählen – obwohl es das globale Klima ist, das geschützt werden muss: Auch die Erde ist aus Sicht der Zielgruppe weder hinreichend konkret noch identifikationsstiftend. Hinzu kommt: Schon vor mehreren Jahrzehnten hat sich bei einem Teil von Grafikern (bzw. bei deren Auftraggebern) der Trend durchgesetzt, nicht den Globus an sich als Absender zu wählen und zur Illustration zu nutzen; vielmehr sehen wir immer wieder Bilder bzw. Illustrationen, auf denen die Erde wegen des zunehmenden Treibhauseffekts schwitzt, ächzt oder gar weint – eine Bildsprache, die zum einen sehr pathetisch wirkt.

 

Zum anderen gilt zu beachten: Selbst wenn das Bild der schwitzenden oder weinenden Erde den Betrachter tatsächlich betroffen macht, steht es auf einem völlig anderen Blatt, ob er sich von dem betreffenden Projekt zum Beispiel dazu bewegen lässt, sich fortan klimaschonender zu verhalten. Aus psychologischer Sicht ist eine solche Betroffenheit keine geeignete Motivation für (dauerhafte) Verhaltensänderungen.


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Autor: Tom Küster



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      Eigenschaften eines funktionierenden Absenders

      Aus kommunikationspsychologischer und -strategischer Sicht empfiehlt es sich für die Initiatoren von Klimaschutzprojekten und -kampagnen, in der Konzeptionsphase die folgende Frage zu beantworten: „Warum, wie, wo und wann sagt wer was zu wem?“ Während etwa das „Warum?“ nach den Gründen und Zielen fragt und das „Was?“ nach den Inhalten, verweist das „Wer?“ auf die Notwendigkeit einer Entscheidung zum Absender des konkreten Klimaschutzanliegens. Denkbare Absender sind beim Klimaschutz unter anderem:

      • der Planet Erde,
      • die künftigen Generationen,
      • die Initiatoren selbst und
      • Werbeträger („Testimonials“).

      Als Absender des Klimaschutzanliegens ist der Planet Erde zumeist keine gute Wahl (Bild: Pixabay).


      Für die Wahl eines geeigneten Absenders gibt es im Wesentlichen drei hilfreiche Entscheidungskriterien: Ein guter, das heißt bei der spezifischen Zielgruppe funktionierender, Absender ist

      • konkret,
      • glaubwürdig und
      • identifikationsfördernd.

       

      Betroffenheit – eine schwache Triebfeder für den Klimaschutz

      Weil beispielsweise die künftigen Generationen nicht konkret und auch deshalb wenig identifikationsfördernd sind (es sei denn, sie werden durch einzelne, sorgsam ausgewählte Kinder repräsentiert), empfehlen sie sich als Absender zum Beispiel eines Klimaschutzprojektes nur sehr bedingt.

       

      Besonders problematisch ist es jedoch, den Planeten Erde als Absender zu wählen – obwohl es das globale Klima ist, das geschützt werden muss: Auch die Erde ist aus Sicht der Zielgruppe weder hinreichend konkret noch identifikationsstiftend. Hinzu kommt: Schon vor mehreren Jahrzehnten hat sich bei einem Teil von Grafikern (bzw. bei deren Auftraggebern) der Trend durchgesetzt, nicht den Globus an sich als Absender zu wählen und zur Illustration zu nutzen; vielmehr sehen wir immer wieder Bilder bzw. Illustrationen, auf denen die Erde wegen des zunehmenden Treibhauseffekts schwitzt, ächzt oder gar weint – eine Bildsprache, die zum einen sehr pathetisch wirkt.

       

      Zum anderen gilt zu beachten: Selbst wenn das Bild der schwitzenden oder weinenden Erde den Betrachter tatsächlich betroffen macht, steht es auf einem völlig anderen Blatt, ob er sich von dem betreffenden Projekt zum Beispiel dazu bewegen lässt, sich fortan klimaschonender zu verhalten. Aus psychologischer Sicht ist eine solche Betroffenheit keine geeignete Motivation für (dauerhafte) Verhaltensänderungen.

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